
Die Calenberger Straße, deren Verlauf schon auf Stadtplänen des frühen 19. Jahrhunderts als zentrale Achse verzeichnet ist, bildete als „Steinweg“ das Rückgrat der im 17. Jahrhundert ausgebauten Calenberger Neustadt. Bereits seit 1719 trägt sie ihren heutigen Namen, der ihre Funktion als Verbindungsweg zum Fürstentum Calenberg unterstreicht. Als westliche Ausfallstraße erfüllte sie eine strategische Schlüsselfunktion als Hauptverbindung zwischen dem Regierungsviertel und der Ortschaft Linden, eine Rolle, die mit der rasanten Industrialisierung Lindens im 19. Jahrhundert massiv an Bedeutung gewann. Die verkehrstechnische Modernisierung manifestierte sich in der Einführung der Pferdebahn 1872 sowie der Elektrifizierung 1893. Die historische Bebauung fiel den alliierten Luftangriffen im Oktober 1943 fast vollständig zum Opfer, woraufhin der Wiederaufbau in den 1950er Jahren zunächst unter einer Aufweitung des Straßenprofils erfolgte. Durch die städtebauliche Neuordnung und die Verlagerung der Hauptverkehrsströme auf die Straßen Leibnizufer und Lavesallee büßte der Straßenzug jedoch seine einstige Funktion als überregionale Transitstrecke ein. Seit 1953 markiert der Neustädter Markt den östlichen Auftakt der heute verkehrsberuhigten Straße, die sich durch Rückbaumaßnahmen der 1990er Jahre vom reinen Zubringer zu einem lokalen Geschäfts- und Wohnquartier gewandelt hat.